Zu wenig Kitas in Großstädten

Ein Kitaplatz zu finden, in dem man sein Kind den ganzen Tag über sicher aufgehoben und liebevoll betreut weiß, ist in Großstädten, wie Hamburg oder Berlin, noch immer problematisch. Zwar ist am 1. August 2013 deutschlandweit der Rechtsanspruch auf frühkindliche Förderung in Kraft getreten und somit hat jedes Kind im Alter von ein bis drei Jahren einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz. Allerdings sieht die Realität anders aus: Wer in beleibten Wohngegenden, wie Hamburg Eppendorf, Eimsbüttel oder Altona lebt, muss sich einem knallharten Bewerberprozess stellen. Dieser bestehen bei beliebten Kitas aus mehreren Schritten. Vor einem eigentlichen Bewerbungsgespräch muss in der Regel eine Online-Bewerbung erfolgen, in der meist explizit begründet werden muss, wieso das Kind in diese Einrichtung gehen sollte. Die Vorauswahlkriterien variieren bei den Institutionen. Wichtige Punkte sind in jedem Fall Geschwister, sowie der Beziehungsstatus und das Arbeitsverhältnis der Eltern. Wer diese Phase überstanden hat, kann zwar aufatmen, hat aber noch keinen Platz in seiner Wunsch-Kita sicher. Nur wer im zweiten Durchgang, dem Bewerbungsgespräch, überzeugen kann, darf sich glücklich schätzen weil er den Kitaplatz seiner Wahl ergattern konnte!

Kita für Stadtkids – es geht auch anders!

Allerdings ist eine professionelle Betreuung dann noch lange nicht gesichert: In keinem westdeutschen Bundesland muss ein Erzieher so viele Kinder betreuen, wie in Hamburg. Da bleibt die Frage nach der Qualität der Betreuung nicht weit. Doch es geht auch anders, beweist zum Beispiel die Kita Bonn in Nordrhein-Westfalen. Die Institution verfolgt mit ihrer neuartigen Max und Mary Philosophie eine Vision der perfekten Kinderbetreuung ausgehend vom größtmöglichen Wohl jedes betreuten Kindes. Hier liegt der Betreuungsschlüssel bei  1 zu 6. Dies bedeutet, dass ein Erzieher höchstens 6 Kinder betreuen darf. Damit liegt die Kita weit über dem deutschen Durchschnitt: Laut der Bertelsmann-Stiftung, die sich für das Gemeinwohl engagiert, ist ein Personalschlüssel von 1 zu 7,5 in den meisten deutschen Bundesländern leider Realität. Allerdings ist neben regelmäßigen Elterngesprächen gerade diese intensive Betreuung unumgänglich, um eine individuelle Förderung der Kinder zu ermöglichen. Nur so können die vielfältigen Aktivitäten genau auf das Alter und die Entwicklung der Kinder abgestimmt werden. Außerdem kann nur bei einem geringen Betreuungsschlüssel auch auf zurückhaltende und schüchterne Kinder liebevoll eingegangen werden. Die Stadtkids müssen nicht zwangsläufig zurückstecken, was das Freizeitangebot vieler Stadtkitas beweist. Von den Grundlagen der Biologie und Geographie, bis hin zu Kochen, Backen und Sport bleiben hier fast keine Kinderwünsche offen. Ebenfalls werden die Kleinen spielerisch an eine gesunde Ernährung und den richtigen Umgang mit Besteck herangeführt. Unabhängig von der Institution ist bei aller frühkindlicher Förderung jedoch am wichtigsten, immer ein Auge darauf zu haben, genau das richtige Maß an Abwechslung zu bieten und die Kinder weder zu unter-, noch zu überfordern, denn Kinder sollten immer Kinder bleiben und müssen sich in erster Linie wohlfühlen.

Kind, Kegel und Karriere

So muss sich für fürsorgliche Eltern auch in Städten, wie Hamburg oder Berlin nicht mehr die Frage stellen: Kind oder Karriere? Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie haben sich verbessert. Obwohl nach wie vor zu wenig Kitaplätze existieren, sorgen die meisten Institutionen für eine Verbesserung des Betreuungsschlüssels. So besitzen Städte, wie Bremen bereits ein 1 zu 3 Verhältnis. Natürlich wird es ein schwieriger Balanceakt bleiben, sowohl der Familie, als auch dem Beruf gerecht zu werden. Dieser wird aber durch eine professionelle und liebevolle Tagesbetreuung enorm erleichtert.

Trotz der offiziellen Versicherung für einen Kita-Platz sollte man nicht tatenlos abwarten, sondern vor allem in Großstädten schon frühzeitig auf die Suche gehen, um für sein Sprössling in der Wunschinstitution auch wirklich einen Platz zu erhalten.